Erinnern und Gedenken
Verfolgung und Widerstand in Sangerhausen 1933-1945

Archiv


Matierialien zu laufenden Veranstaltungen


Liste der Sangerhäuser Holocaust-Opfer, wie sie alljährlich am 27. Januar an der

Gedenktafel verlesen wird.


Otto Fleischmann            62 Jahre - am 3. Juni 1942 m Sobibor ermordet
Rosa Fleischmann            63 Jahre - am 3. Juni 1942 m Sobibor ermordet
Jutta Bernstein                20 Jahre - am 3. Juni 1942 in Sobibor ermordet
Eva Mirjam Bernstein       4 Jahre - am 3. Juni 1942 in Sobibor ermordet
Adele Hampel                 68 Jahre - am 11. Dezember 1942 in Theresienstadt umgekommen
Sophie Ikenberg             Am 18. März 1944 in Auschwitz ermordet
Emst Ludwig Ikenberg    43 Jahre - am 18 Marz 1944 in Auschwitz ermordet
Sophie Luise Gorek         67 Jahre - am 16 Januar 1944 in Theresienstadt umgekommen
Klara Merkelt                  43 Jahre - am 10. Januar 1944 an Sangerhausen in den Tod getrieben
Kurt Bauchwitz                60 Jahre - am 3. Juni 1942 m Sobibor ermordet
Hans Bauchwitz               63 Jahre - am 2. April 1942 in Trawniki umgekommen
Paul Bauchwitz                65 Jahre - am 3. Juni 1942 in Sobibor ermordet
Adele Bauchwitz             68 Jahre - im Januar 1943 im Ghetto Lodz umgekommen
Martha Bawchwitz           76 Jahre - am 4 Mai 1944 in Theresienstadt umgekommen
Max Cohn                       Am 8. Dezember 1941 im Alter von 75 Jahren bei einem
                                     Arbeitseinsatz im Lager Dortmund-Huckarde umgekommen
Helene Cohn                   77 Jahre - am 19. September 1942 in Treblinka ermordet
Paula Cohn                     84 Jahre - am 2. November 1942 in Theresienstadt umgekommen
Alfons Lazarus                52 Jahre - im Ghetto Lodz umgekommen
Ella Lazarus                    51 Jahre - am 3. Februar 1943 in Auschwitz ermordet
Hans Erich Loewenthal     54 Jahre - am 5. Marz 1943 in Auschwitz ermordet
Gertrud Mathias              57 Jahre - am 8. Mai 1942 in Kulmhof ermordet
Rosa Neufeld                  51 Jahre - am 11. Juni 1942 in Auschwitz ermordet
Anna Pintus                   75 Jahre - am 24. Februar 1944 in Theresienstadt umgekommen
Thekla Simon                 82 Jahre - am 16. März 1943 in Berlin in den Tod getrieben
Dr. Theodor Wolff           63 Jahre - am 2. Juli 1943 m Auschwitz ermordet
Charlotte Wolfine Woermann  47 Jahre -  am 4. Juni 1942 tn Sobibor ermordet

Als rassisch minderwertig eingestuft wurden drei nichtjüdische Frauen aus Sangerhausen:

Martha Böttcher, Johanna Querndt und das minderjährige Mädchen Edith Große.

Sie wurden Rahmen der Euthanasie-Aktion T4 in psychiatrischen Anstalten ermordet



Arno Lustigers Flucht vom Todesmarsch der Häftlinge des KZ Langenstein-Zwieberge am 12. April 1945 bei Quenstedt

Zitat aus der Lesung "Spuren der todesmärsche im Landkreis Mans-Südharz" am 3. März 2020 in der "Oase", Kornmarkt 3, Sangerhausen

"In der vierten Nacht flüchtete ich bei Quenstedt vom Marsch. Kurz nach Mitternacht klopfte ich vor Hunger an einem Bauernhaus an, um ein Stück Brot zu bekommen. An der Tür erschien ein Wehrmachts-offizier. Er musterte mich streng: warten Sie hier und laufen Sie nicht weg! Ich war über­zeugt, dass er per Telefon die Feldgendarmerie alarmieren würde, um sich selbst nicht die Hände mit einem entlau­fenen Häftling schmutzig zu machen. Nach einer Weile, die für mich eine Ewigkeit dauerte, kam er mit einem gan­zen Kommissbrot heraus, wandte sich um und verschwand wieder im Haus, die Tür hinter sich zuschlagend. Drau­ßen vor dem Dorf fand ich eine Gartenhütte, in die ich mich für den Rest des Tages verkriechen wollte. Doch gegen morgen weckte mich das Gebell von Hunden, die mich auf gespürt hatten. Zwei mit Gewehren bewaffnete Volks­sturm-Männer befahlen mir, mich zu den acht Häftlingen zu gesellen, die in dieser Nacht ebenfalls geflüchtet und gefasst worden waren. Wir wurden zum Lagerplatz unse­rer Marschkolonne geführt, die sich nur wenige Kilometer weiter ausruhte. Ich wusste, dass dies nun unwiderruf­lich die letzte Stunde meines Lebens war, denn auf „Flucht“ stand die sofortige Exekution. Kurzentschlossen lief ich in der Nähe eines Waldes einfach weg. Es war mein Glück, dass mich keine der vielen Kugeln, die mir nach geschos­sen wurden, traf.  Ich irrte im Wald umher, hörte aus der Ferne Ge­schützdonner und wusste nicht, wo die offenbar nahe Frontlinie verlief. Plötzlich hörte ich Schritte. Es war ein deutscher Deserteur, ohne Koppel und Waffe, der aus der Gegend stammte und einfach nach Hause wollte, dort, wo schon die Amerikaner waren. Durch hohes Tempo versuchte er mich, der sich an seine Fersen geheftet hatte, loszu­werden. Er hätte mich auch mit einem Schlag ins Jenseits befördern können, aber offenbar wollte er die ersten Stun­den seiner Freiheit nicht mit einem Mord beginnen.  Nach einer gewissen Zeit verlor ich wieder das Bewusstsein. Irgendwann hörte ich wie im Traum englische Worte. Es war eine amerikanische Patrouille, die mich am Waldesrand aufgelesen und, auf dem einem Panzerwagen festgeschnallt, ins Feldlazarett gebracht hatte. Ich war jetzt frei, aber halbtot." (Gekürzt)

Quelle: Jutta Dick, Marina Sassenberg, Führer durch das jüdische Sachsen-Anhalt, Potsdam 1998, S. 326-333 passim

Den Text der gesamten Lesung finden Sie: HIER.


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Rundbriefe



  • Rundbrief 12 / Oktober 2020 LESEN
  • Rundbrief 11 / September 2020 LESEN
  • Rundbrief 10 / Mai 2020 LESEN
  • Rundbrief 9 / April 2020 LESEN
  • Rundbrief 8 / Februar 2020 LESEN
  • Rundbrief 7 / Januar 2020 LESEN
  • Rundbrief 6 / November 2019 LESEN
  • Rundbrief 5 / Oktober 2019 - LESEN
  • Rundbrief 4 / August 2019 - LESEN

Flugschriften


Flugschrift Nr.1 / 2010

Christlicher Widerstand in Sangerhausen: Albrecht Gubalke ; Hüttenstraße 26 im Frühjahr 1942 ; Synagogen in Sachsen-Anhalt ; Gegen Geschichtsfälschung: Gedanken zur Bombardierung Dresdens 13./14. Februar 1945 ; Eislebener Blutsonntag 1933. Hier lesen.

Flugschrift Nr. 2 / 2010

Befreiung Buchenwalds vor 65 Jahren ; Franz Heymann: Weg eines Sangerhäuser Sozialdemokraten ; Christlicher Widerstand: Alban Hess starb vor 40 Jahren ; Todesmarsch Rottleberode-Gardelegen 1945 ; Der Friesdorfer Pfarrer Johannes Lepsius wurde "Engel der Armenier". Hier lesen.

Flugschrift Nr. 3 / 2010

8. Mai 1945 - Bittere Einsichten auch nach 65 Jahren ; Bekennende Kirche in Sangerhausen ; Zwangsarbeit in Sangerhausen - das zivile Gesicht des Krieges ; Kommunistischer Widerstand: Schicksal des Arbeiterfunktionärs Paul Beck ; Richard von Weizsäcker: Argumente zum 8. Mai. Hier lesen.

Flugschrift Nr. 4 / 2010

Christlicher Widerstand: Der Pfarrer Ernst Orphal ; "Sangerhäuser Zeitung"  und Nationalsozialismus; Kommunistischer Widerstand neu beleuchtet: Das KZ Lichtenburg ; Die Jüdische Gemeinde in Eisleben: ein kurzer Überblick. Hier lesen. 

Flugschrift Nr. 5 / 2010

Der OdF-Tag - zu Recht vergessen? ;  Walter Telemann ; Der Rote Ochse in Halle: Krystyna Wituska und Wilhelm Kriz ; Drei Katholische Priester vor Hitlers Richtern: Carl Lampert, Herbert Simoleit, Friedrich Lorenz. Hier lesen.

Flugschrift Nr. 6 / 2010

Der 9. November - kein einfacher Gedenktag ; Juden in Sangerhausen ; Namen jüdischer Mitbürger, deren Lebensdaten in die Zeit der Judenverfolgung 1933-1945 fallen ; Euthanasie im NS-Staat ; Das Schicksal der Elisabeth G. (1900-1941). Hier lesen.



Alban Hess-Jubiläum


1. Herbert Gerhardt über seine Begegnung mit Alban Hess im Jahr 1937

2. Widerstand, Verhaftung, Neubeginn nach 1945

3.  Herbert Gerhadt berichtet über konspirative Treffs von Sangerhäuser Nazigegnern in der Bücherstube von Alban Hess 

4. Alban Hess als Familienvater - eine Tochter erinnert sich.

5. Als Lehrling bei Alban Hess, Wolfgang Steffen berichtet. 

6. Alban Hess und die St. Michael Buchnandlung - Rudi Endrejat erinnert sich.


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Stand: 2017